Pangaea ‚Nunavut- Expedition‘
Vorjahresmaturant Ansgar Fellendorf berichtet von seinen Erfahrungen in der Arktis mit “Young Explorers”
Seit 2008 laden der südafrikanische Abenteurer Mike Horn und seine Sponsoren Jugendliche zwischen 15 und 20 Jahren aus aller Welt ein, sich für eine von insgesamt zwölf Expeditionen in die abgelegensten Winkel unseres Planeten zu bewerben. Ich durfte mich zu einem der glücklichen acht Young Explorers für die Nunavut- Expedition schätzen. Ein kleiner Bericht:
Die arktische Sonne lachte auf unsere fröhlichen Gesichter. Nach einer langen Anreise bis nach Clyde River, über 70° Nördliche Breite, setzten wir die Segel unserer lieb- gewonnen Segelyacht Pangaea! Und die Natur meinte es von Anfang an gut mit uns: Schon nach weniger als einer Viertelstunde hallte es: „Eisbär! Eisbär im Wasser.“ über Bord. Wir acht ‚Young Explorers‘ aus aller Welt hatten wirklich Glück einen wilden Eisbären aus nächster Nähe betrachten zu können, denn so eine Begegnung geht an Land oft tödlich aus.
Kaum waren wir aus dem schützenden Fjord draußen, begrüßten uns dutzende Eisberge. Diese weißen Kolosse brechen von Gletschern in Grönland ab und werden dann von den Strömungen gen Süden getrieben um dort zu ‚sterben‘. Ich war von den einzelnen Formen und klaren Farben schwer beeindruckt. Schließlich beschloss Expeditionsleiter Mike Horn, dass wir auf einen Eisberg klettern! Zuerst war uns etwas mulmig zumute auf schwimmendem Wasser, auf Wasser, zu stehen. Doch als uns dann das Schiff verließ und nichts als unberührte Natur um uns zu sehen war, genossen wir den Moment! Aber auch die schiere Größe der Eisberge imponierte uns, immerhin befindet sich nur ein Zehntel über der Wasseroberfläche.


Vom Samford Fjord an der Ostküste der Baffininsel aus begannen wir dann unsere dreitägige Gletschertour. Um auf das ‚ewige Eis’ zu gelangen mussten wir uns aber zuerst mühsam über die steinige Endmoräne schuften. Um all das Material wie Zelte, Campingkocher und Steigeisen transportieren zu können, zogen wir Jugendlichen einen Schlitten hinter uns. Bei den steilen Passagen zog er einen hinunter ins Tal, trotz der Kälte kamen wir ins Schwitzen und Keuchen. Wir wurden aber mit einem atemberaubendem Ausblick belohnt! Eine solche weite, vollständig unberührte Landschaft aus Gletschern, Fjorden und Bergen hatte vorher noch nie jemand von uns gesehen! Alles zeigte uns die Schönheit, aber auch Gewalt der Natur. Besonders das Wissen, dass sich keine Menschenseele weit und breit befindet war toll. In der Nacht kühlte es auf bis zu -10°C ab, doch wir konnten uns in warme Schlafsäcke kuscheln. Der Abstieg stellte sich als letzter Kraftakt für die Oberschenkelmuskeln heraus, denn der ca. 40kg schwere Plastikschlitten zog einen ständig nach unten. Meine Muskeln verkrampften sich schließlich aufgrund der ständigen Belastung.

Nach der Gletscherüberquerung kam, wovor wir alle großen Respekt hatten: Das Klettern an der Steilwand! An zwei Seilen zogen wir uns knapp 200m die senkrechte Felswand hinauf. Ich lernte, dass Vertrauen in die Ausrüstung äußerst wichtig ist, wenn man so in der Luft herum baumelt. Als uns der Wind um die Ohren pfiff war es schön, sich an die von der Sonne aufgewärmte Wand zu lehnen. Der absolute Höhepunkt war die Nacht, die wir direkt an der Felswand verbrachten. Wir schliefen auf klappbaren Liegen, die man im rechten Winkel an der Wand befestigt. Das Gefühl für 200m unter sich nur Luft zu haben ist unglaublich aufregend.
Schließlich lernten wir von Dr. Stolz von der LM Universität München über die besondere Umwelt in der Arktis, zum Beispiel über den Permafrost. Dort sind gewaltige Mengen an Kohlenstoff und Methangas gespeichert. Jeden Sommer taut die obere Schicht in der Tundra auf, auf diesem sumpfigen Land gedeihen dann allerlei Flechten, Moose und sogar Blumen. Aber im Zuge des Klimawandels taut der Permafrost immer mehr und ungewöhnlich schnell auf und mehr schädliche Stoffe gelangen in die Atmosphäre. Wir nahmen Messungen vor, um später vergleichen zu können wie stark sich die Tundra und der Permafrost verändern. Die Arktis spielt eine sehr bedeutende Rolle im globalen Klima!
Zurück in Clyde River nahmen wir uns Zeit um uns mit den lokalen Inuit auszutauschen. Wir lernten einiges über das Leben im Hohen Norden. Traditionelle Werte wie das Jagen und die Familie spielen immer noch eine große Rolle, doch Alkohol und Drogen zerrstören die Idylle immer mehr. Mit der Jugend machten wir einen Erste Hilfe Kurs, wobei wir auch über Maßnahmen der Inuit lernten. Bei einem Ohnmächtigen muss man z.B. immer unterhalb der Hüfte stehen, damit der Geist zurück in den Körper kann. Außerdem konnten wir gesponserte Fußbälle verteilen und ein gemeinsames Match spielen. Ein Inuit- Mädchen war so interessiert, dass wir sie für den Rest der Expedition mit an Bord nahmen.

Anschließend segelten wir in Richtung Süden und Nunavuts Hauptstadt Iqaluit. Inzwischen wurde es in der Nacht stockfinster. So kam es, dass wir Zeuge eines Naturspektakels wurden, das wir nie vergessen werden. Grüne Nordpolarlichter tanzten am klaren Sternenhimmel. Die tiefgrünen Schleier bewegten sich stumm und es schien fast so als wollten sie Geschichten erzählen. Wir kamen angesichts dieses wunderschönen Leuchtens aus dem Staunen nicht heraus und gingen erst wieder in das warme Boot als uns der Nacken wehtat!
Das Leben auf einem so kleinem Raum kann schwierig werden, doch durch die gemeinsamen Erlebnisse wuchsen wir zu einem guten Team zusammen und nutzten die Zeit an Bord zum Gedanken und Erfahrungen Austauschen. Ansonsten waren wir mit Kochen oder Wache halten beschäftigt. Denn so schön Eisberge sind, sie stellen mit ihrer Masse eine reale Gefahr für das Boot dar und müssen ständig im Auge behalten werden.
Eine der letzten Exkursionen brachte uns auf einen weiteren noch nie bestiegenen Gipfel. Zuerst waren wir aber eine Schlucht samt rauschendem Wasserfall hinaufgeklettert. Unten am Canyon dachte ich mir: „Das ist unmöglich“. Mike Horn machte es aber möglich. Er hat uns immer einen sicheren Weg über die Steine, den Schnee und selbst den reißenden Bach gezeigt. Die Nacht verbrachten wir um Gewicht zu sparen ohne Zelte unter den Sternen. Wir mummten uns so sehr in den Schlafsack, dass nur noch Nase und Mund an der kalten Luft waren. Am darauffolgenden Tag als wir den 1400m hohen Gipfel erreichten überkam uns pure Freude! Nach all den Strapazen die wackeligen Steine hinauf war es unglaublich, ein 360°Panorama mit den blauen Seen, den weißen Gletschern und der bunten Tundra zu genießen!
In einer der letzten Nächte verloren wir bei über 40 Knoten Wind und starkem Wellengang unser Beiboot, die gesamte Verankerung war herausgerissen. Am Morgen überraschte uns außerdem heftiger Schneefall! Das gesamte Deck lag unter einer weißen Haube. Dann, nach ein paar Stunden Fahrt, wurde das Boot plötzlich langsamer: Wir waren fast über unser eigenes Beiboot gefahren! Die Strömung hatte es per Zufall genau in unseren Kurs getrieben. Ein letzter Beweis, dass auf der Pangaea nichts gewöhnlich abläuft.
Link: http://www.mikehorn.com/en/yep/young-explorer-expeditions/nunavut-canada/
Videolink: http://vimeo.com/28604136
Alle Abenteuerlustigen und Umweltinteressierten zwischen 15 und 20 Jahren können sich noch für die nächste Amazonasexpedition bewerben!
- Ansgar Fellendorf


