Geschichte

Das BG/BRG Kirchengasse blickt auf eine über 180-jährige Geschichte zurück.
Seine Wurzeln liegen in zwei bedeutenden Bildungsinstitutionen des 19. Jahrhunderts: der Landes-Oberrealschule und dem Marieninstitut. Ihre Entwicklung spiegelt die gesellschaftlichen, politischen und pädagogischen Umbrüche Österreichs bis in die Gegenwart wider.

1811-1938

Die Landes-Oberrealschule

Die Landes-Oberrealschule entstand aus den Bildungsinitiativen Erzherzog Johanns und war als praxisorientierte Vorschule für technische Hochschulen gedacht. Sie entwickelte sich rasch zu einer bedeutenden Bildungseinrichtung der Steiermark und wurde dem Gymnasium gleichgestellt.

Das Marieninstitut

Das Marieninstitut wurde von den Marianisten als Bildungs- und Internatseinrichtung gegründet und genoss hohes Ansehen. Es entwickelte sich schrittweise von einer Realschule zu einem Realgymnasium mit Öffentlichkeitsrecht.
Herz-Jesu-Kapelle des Marieninstituts
Herz-Jesu-Kapelle des Marieninstituts

1938-1963

Vereinigung & Neubeginn

1937 beschloss die Landesregierung die Auflösung der Schulen in der Hamerlinggasse. Mit dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich verfügten 1938 die politischen Kräfte im Einvernehmen mit dem Landesschulrat, dass die LOR und das Realgymnasium aus der Hamerlinggasse in die Kirchengasse 1 übersiedeln und mit dem dortigen Privat-Realgymnasium der Marianisten vereinigt werden sollten.[12] Am 3. Oktober 1938 war die Eröffnung der nunmehrigen Landes-Oberschule für Jungen in der Kirchengasse 1. (16 Klassen) Leiter der Schule war Oberstudiendirektor Franz Pacher, Leiter des angeschlossenen Schülerheims wurde Oberstudienrat Andreas Patterer.[13] 1940 erfuhr die Landes-Oberschule ihre nächste Umwandlung. Sie wurde verstaatlicht und umbenannt in die 5. Staatliche Oberschule für Jungen in Graz (Roseggerschule). Das Schülerheim der Anstalt verblieb dem Reichsgau Steiermark. Am Ende des Krieges, als Graz vermehrt Ziel von Fliegerangriffen wurde, gab es keinen Schulbetrieb mehr. Das Schulgebäude wurde ein Hilfslazarett.

1963 erhielt die Schule die Bezeichnung „Bundesgymnasium und Bundesrealgymnasium Graz, Kirchengasse 1“, heute Kirchengasse 5.

Der Name der kleinen Gasse stammt von der benachbarten Grabenkirche.

1970-1996

Krise & Rettung der Kirchengasse

Ab 1972 gab es Verhandlungen zwischen dem Bund und der Provinzleitung des Ordens der Gesellschaft Mariä bezüglich Verkauf bzw. Verpachtung der Liegenschaft. Die Zahl der Heimschüler war in den Jahren zuvor stark zurückgegangen, sodass sich die Heimleitung auch gezwungen sah, Halbexterne aufzunehmen. Andererseits wuchs die Zahl der externen Schüler in den 1970er Jahren stark an.

Nach der Schließung des Schülerheimes Marieninstitut im Jahr 1978 erhielt das BG/BRG Kirchengasse zusätzliche Klassen- und Funktionsräume, nachdem der Bund das Areal zuvor gekauft hatte.

Aufgrund von verschiedenen Gutachten kamen die Behörden zu der für die Schulgemeinschaft vernichtenden Erkenntnis, dass die Nutzung der Liegenschaft in der Kirchengasse für Schulzwecke nicht als zweckmäßig angesehen werden könne. Es würden für eine Renovierung Kosten in der Höhe eines Neubaus entstehen, wobei weiterhin mit funktionellen Mängeln zu rechnen sei.[16]

Als Ersatz wurden Schülern und Lehrern folgende Standorte angeboten:

  • In der Körösistraße (Steinergründe) im Rahmen des HTL-Neubauplanes eine AHS im Umfang von 16 Klassen
  • In Graz-St. Peter (starke Wohnbautätigkeit) eine AHS im Umfang von 20 Klassen
  • Ein Schulneubau als AHS-Standort in Graz Südwest (heute: Klusemannstraße)

Die Kirchengasse sollte auslaufend geführt, neue Schüler nur mehr in der Körösistraße und in St. Peter aufgenommen werden. Die Lehrer würden in den genannten Schulen unterkommen. Zu dieser Zeit, im Schuljahr 1984/85, wurden im BG/BRG Kirchengasse insgesamt 35 Klassen unterrichtet.

Fortbestand der Kirchengasse

Viel Einsatz von Seiten der Schulpartner war notwendig, um das gemeinsame Ziel, die Erhaltung der „Kirchengasse“, in die Realität umzusetzen: zahlreiche Interventionen bei den jeweiligen Unterrichtsministern, dem Landeshauptmann und der zuständigen Schulbehörde. Des Weiteren wurde der Verein „Rettet die Kirchengasse“ gegründet, 15.000 Unterschriften für den Weiterbestand gesammelt und mit einem Protestmarsch von der Kirchengasse zur Grazer Burg eine Vorsprache beim Landeshauptmann erreicht.[17]

Schließlich gelang es, die Erstellung von Bauplänen für ein neues Schulgebäude gegenüber dem alten Gebäude in Richtung Bergmanngasse zu erwirken. Der Baubeginn wurde jedoch immer wieder verzögert.

1994 erfolgte nach Interventionen des Direktors Vinzenz Moritz und der Schulgemeinschaft in Wien der Spatenstich.

1996-Heute

Neues Schulgebäude - neue Ära

Nach langem Ringen um den Fortbestand des Gymnasiums Kirchengasse konnte mit Beginn des Schuljahres 1996/97 das neu errichtete Schulgebäude bezogen werden. Ein modernes Schulgebäude war in einer Bauzeit von nur 17 Monaten als Projekt der Bundesimmobiliengesellschaft hinter der alten „Kirchengasse“ auf dem Gartengrundstück errichtet worden. Das neu errichtete Gebäude bietet seitdem mit 36 Klassen Platz für knapp 900 Schüler*innen.