Maja Siegl (8b) gewinnt 3. Platz bei Gedichtewettbewerb

6. Oktober 2026
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Tolle Leistung unserer Achtklässlerin Maja Siegl, die beim Gedichtewettberb der Initiative „Wie wollen wir gewesen sein?“ den dritten Platz belegte.

Majas Gedicht zum Thema „Im Fluss mit allem, was ist“ beeindruckte die Jury. Anschließend könnt ihr euch selbst einen Eindruck davon verschaffen.

Wir gratulieren Maja sehr herzlich.

Bis der Fluss unseren Namen kennt

Man sagt,
das Leben sei ein Fluss.

Doch niemand erzählte mir,
dass Flüsse frieren können.
Dass sie manchmal still werden,
obwohl unter der Oberfläche
ganze Welten zerbrechen.

Damals glaubte ich,
das Leben würde mich tragen.
Doch irgendwann
Begann ich, gegen die Strömung zu schwimmen,
bis meine Arme schwer wurden
und mein Herz vergaß,
wie Leichtigkeit sich anfühlt.

Niemand spricht von den Steinen,
die der Fluss in unsere Hände legt.
Wir tragen sie schweigend,
bis unsere Taschen sinken
und selbst das Wasser uns kaum noch trägt.

Während mein Körper immer stiller auf dem Wasser trieb,
schrie meine Seele unter der Oberfläche
mit einer Stimme,
die keine Welle an das Ufer trug.

Während draußen die Jahreszeiten wechselten,
blieb in mir ein zugefrorenes Gewässer,
auf dem kein Licht mehr tanzte.

Die Dunkelheit legte sich über meine Tage
wie Nebel über einen Fluss.
Nicht plötzlich.
Sondern langsam.

So langsam,
dass ich irgendwann glaubte,
sie gehöre einfach zu mir.

Sie war wie Schnee
Lautlos.
Schön von außen.
Erdrückend von innen.

Und irgendwann war alles weiß,
selbst dort,
wo einst Blumen wuchsen.

Manchmal sprach der Schmerz eine Sprache,
für die Worte nicht mehr ausreichten.
Dann erzählten Narben Geschichten,
die niemand lesen sollte.

Dann kamst du.

Wie Sonnenlicht,
das sich durch dichte Wolken kämpft.
Du warst kein Wunder,
das alle Wunden heilte.
Aber du warst Licht an Tagen,
an denen ich nur Grau sehen konnte.

Zum ersten Mal fühlte sich der Fluss
nicht wie ein Kampf an.
Sondern wie Zuhause.

Du hast mich nicht gerettet.
Aber du hast meine Dunkelheit nicht gefürchtet.

Du hast meine Narben angesehen,
ohne mich auf sie zu reduzieren.
Mit dir wurde der Fluss
für einen Augenblick
still.

Nicht,
weil das Wasser aufhörte zu fließen.
Sondern weil mein Herz endlich glaubte,
ankommen zu dürfen.

Doch Flüsse
kennen keine Versprechen.
Eines Tages
nahmen sie dich mit.

Der Fluss wurde kalt.

Seitdem
trägt jede Welle deinen Namen.
Der Wind
klingt wie deine Stimme.

Und jede Nacht legt der Mond
sein silbernes Licht auf das Wasser,
als würde er versuchen,
dich zu finden.

Ich suchte dich
in Sternen. In Träumen. Im Regen. In Liedern.
Doch der Himmel gab dich nicht zurück.
Nur Erinnerungen.
Und Erinnerungen sind seltsame Boote.
Sie halten uns über Wasser
und lassen uns gleichzeitig
ertrinken.

Der Fluss floss weiter.
Tag für Tag.
Monat für Monat.

Und irgendwann begriff ich etwas,
das ich nie verstehen wollte.

Der Fluss wartet nicht.
Der Fluss heilt keine Wunden.
Er nimmt keine Liebe fort.

Er verwandelt sie in etwas, das bleibt.
In den Blick zum Himmel.
In den Mut, trotz zitternder Hände
weiterzugehen.

In das Wissen,
dass selbst ein Fluss,
der durch die dunkelste Nacht fließt,
irgendwann wieder das Licht
eines neuen Morgens in sich trägt.
Und vielleicht ist genau das
die größte Wahrheit
des Lebens:

Nicht, dass wir unversehrt bleiben.

Sondern, dass wir lernen,
mit gebrochenem Herzen
weiterzufließen.
Weil Liebe niemals mit dem Tod endet.
Sie wird zu Wasser.
Zu Wind.
Zu Licht.

Und sie begleitet uns,
still,
bis der Fluss eines Tages
auch unseren Namen
kennt.


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